Berichterstattung in den VN bzgl. Vorgangsweise bei Drogenkonsum...

 

mit folgendem Schreiben an alle Eltern haben wir auf die verzerrende Berichterstattung der VN reagiert:

Sehr geehrte Eltern,

die Vorarlberger Nachrichten berichteten am 2.11.2016 auf Seite A8 über die Vorgangsweise an einer Vorarlberger AHS im Drogenverdachtsfall. Ein Posting unter dem gleichlautenden Artikel in vol.at insinuiert, dass es sich dabei um unsere Schule handle. Dies möchten wir zum Anlass nehmen, Ihnen unsere Vorgangsweise bei Drogenverdachtsfällen zu erläutern.

Wir nehmen die Probleme unserer SchülerInnen absolut ernst. Wir fühlen uns verpflichtet hinzuschauen, wenn unsere SchülerInnen in Schwierigkeiten sind. Wir wollen sie und ihre Eltern keinesfalls mit ihren Sorgen alleine lassen. Wir riskieren unter Umständen, dass wir uns unbeliebt machen, wenn wir den Kopf nicht in den Sand stecken.

Das Suchtmittelgesetz beschreibt in § 13, wie in Verdachtsfällen an Schulen vorzugehen ist. Der Grundsatz lautet „Helfen statt strafen“. Das ist ganz unsere Linie. Wenn wir auf Drogenkonsum von Schülern aufmerksam werden (oder aufmerksam gemacht werden) gilt es in jedem Fall, eine Kriminalisierung zu vermeiden. Es geht in erster Linie darum, die SchülerInnen einer entsprechenden professionellen Beratung zuzuführen. Auch Drogentests sind in solchen Fällen vorgesehen. Nur für den Fall, dass die betroffenen SchülerInnen nicht kooperieren wollen, sind wir durch das Suchtmittelgesetz verpflichtet, die SchülerInnen bei der Gesundheitsbehörde anzuzeigen. Bisher war das noch nicht nötig.

Schulintern fällt die Betreuung von SchülerInnen mit Drogenkontakt in das Ressort des „Social Networkers“. Dabei handelt es sich um eine Vorarlberger Eigenheit, die es so in anderen Bundesländern nicht gibt. Die Social Networker haben eine spezielle Ausbildung und eine einem Arzt vergleichbare Schweigepflicht. Sie übernehmen teilweise die Agenden der Schulpsychologie. Im Drogenverdachtsfall führt der Social Networker Gespräche mit SchülerInnen und Eltern und stellt den Kontakt zum Schularzt bzw. externen professionellen Einrichtungen her. Die Vorgangsweise wird mit der Direktion abgesprochen. Die Weitergabe von Informationen an Dritte ist durch das Amtsgeheimnis und das Datenschutzgesetz untersagt. Auch die unterrichtenden Lehrpersonen werden nur soweit informiert, wie für ein Verständnis der besonderen Situation der betroffenen SchülerInnen absolut nötig ist.

Üblicherweise bekommen die SchülerInnen die Gelegenheit, ihre Eltern selbst zu informieren. Fachleute empfehlen diese Vorgangsweise, weil damit die Souveränität der SchülerInnen gewahrt bleibt. Manchmal hat das in der Vergangenheit auch etwas länger gedauert. Keinesfalls werden jedoch die Eltern außen vor gelassen. In jedem Fall werden sie früher oder später entweder durch die SchülerInnen selbst oder durch die Schule mit ins Boot geholt. Uns ist allerdings bewusst, dass es sich hierbei um eine äußerst heikle Angelegenheit handelt, da in den betroffenen Fällen auch das Verhältnis zwischen Schülern und Eltern oft nicht friktionsfrei ist.

Der eingangs erwähnte VN-Artikel unterstellt, dass in der betroffenen Schule flächendeckend SchülerInnen ohne konkrete Verdachtsmomente zu Drogentests geschickt werden. Ich kann Ihnen versichern, dass das bei uns nicht der Fall ist. Mit einer derartigen Vorgangsweise würde man die entsprechenden Institutionen auch sehr schnell an die Kapazitätsgrenzen bringen. Es ist allerdings in der Vergangenheit mehrfach vorgekommen, dass Verdachtsmomente vorlagen. In diesen Fällen sind wir unserer Pflicht nachgekommen und haben den Betroffenen empfohlen, eine Beratung aufzusuchen, um von einer Meldung an die Gesundheitsbehörde absehen zu können.

Ich hoffe, mit dieser Information zur Aufklärung beigetragen zu haben. Sollten Sie weitere Fragen haben, fühlen Sie sich bitte frei, sich an die Social Networker Mag. Blassnig oder Dr. Waibel (http://www.brg-schoren.ac.at/index.php/kontakt/social-networker) bzw. an mich zu wenden. 

Mit freundlichen Grüßen

Direktor Mag. Reinhard Sepp